Das dritte Land
Gegen seinen Rat verlassen Angustina und ihr Mann mit den gesundheitlich angeschlagenen sieben Monate alten Zwillingen ihre Heimat, um der grassierenden Seuche zu entkommen. Die Zwillinge sterben kurze Zeit später und Angustina packt sie in einen
Schuhkarton, um sie nicht zurückzulassen. Als sie von einem Ort hört, an dem Tote anständig begraben werden, macht sie sich auf die Suche nach dem sogenannten dritten Land. Sie trifft Visitación Salazar, eine zupackende, aber auch distanzierte Frau. Angustina darf ihre Kinder begraben, möchte aber nicht weiterziehen, sondern im dritten Land bleiben und sich nützlich machen. Karina Sainz Borgo erzählt in ihrem zweiten Roman von Tod, Verzweiflung, Armut, Hunger, Hitze und Gewalt, doch auch von Hoffnung in der Form der Totengräberin Visitación. Wenn schon das Leben der Menschen unwürdig ist, dann sollen sie wenigstens im Tod etwas Würde erfahren.
Martina Häusler
rezensiert für den Borromäusverein.
Das dritte Land
Karina Sainz Borgo ; aus dem Spanischen von Angelica Amar
S. Fischer (2023)
316 Seiten
fest geb.