All the way to the river
Elizabeth Gilbert lernt 2000 die charismatische Rayya Elias kennen, die jahrelang in der Öffentlichkeit als exotische Begleiterin wahrgenommen wird und schließlich nach der Trennung Gilberts Ehe als deren Partnerin. Gilbert erzählt in ihrem umfangreichen
biographischen Werk von dieser aufreibenden amour fou und zugleich großen Liebe. Dabei entblößt sich die Autorin und nimmt ihre Leserinnen tief in psychische Abgründe mit. Liebes- und Sexsucht zerstören Selbstwert und Beziehungen. Eine bedrohliche und letztlich todbringenden Erkrankung Rayyas eskaliert die Verbindung der beiden Frauen und ist schließlich Auslöser, dass sich Elizabeth Gilbert nachhaltig therapeutisch helfen lässt. Dies führt nicht nur zur empfundenen Stabilität, sondern auch zu eingreifenden persönlichen und äußeren Veränderungen. Diese Geschichte zu erzählen, soll einer bedürftigen oder betroffenen Leserschaft Warnung und Appell sein, so die Autorin. Durchwirkt von tagebuchartigen poetischen Einträgen und Zeichnungen exhibitioniert sich die Erzählerin und bedient sich der Dramatik und Emotion oder verbirgt sie nicht. Ein Lebenshilfebuch – ob es über eine selbsttherapeutische Wirkung Gilberts hinausgeht muss jeder für sich entscheiden.
Christine Vornehm
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
All the way to the river
Elizabeth Gilbert ; aus dem amerikanischen Englisch von Britt Somann-Jung
S.FISCHER (2025)
462 Seiten : Illustrationen
fest geb.