Die fernere Zukunft
Über Celine, die junge, verheiratete Hauptperson, werden ungeheure und frei erfundene Geschichten, Pamphlete, Fake-Bilder in Umlauf gebracht, z.B. über ihr Liebesleben, ihre Süchte und Orgien. Die Öffentlichkeit ist von ihnen begeistert. Celine
will sich dagegen wehren und ihren guten Ruf wieder herstellen mit dem Endziel, dadurch die gesamte Gesellschaft zu ändern. Eigentlich sind die Menschen zunehmend dekadent geworden, feiern rauschende Feste. Sex und Gewalt in privaten Salons sind an der Tagesordnung. Männer regieren die Welt, begehen Verbrechen an Frauen und zerstören die Natur. Auf den von ihr organisierten Partys verbündet und vernetzt sie sich besonders mit Schriftstellern, die positive Erzählungen über sie veröffentlichen sollen. Wahrheit und Gerechtigkeit sind die Themen. Dieser Roman vermischt Geschichte und Fiktion, er spielt in drei Zeitebenen. Zuerst im 18. Jahrhundert am Vorabend der Französischen Revolution (Celine wird wie damals Marie Antoinette in den Dreck gezogen). In der zweiten Ebene geht es um die aktuellen Problemfelder – und das Ganze wird rückblickend aus der Zukunft erzählt. Der erfolgreiche englische Autor Adam Thirlwell, der u.a. auch Gastprofessor für Literatur an der Freien Universität Berlin war, legt hier sein sechstes Buch vor. Sein Werk ist schon in dreißig Sprachen übersetzt worden.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die fernere Zukunft
Adam Thirlwell
S. Fischer (2023)
398 Seiten
fest geb.