Wo Milch und Honig fließen
Eine junge Köchin bekommt mit Chuzpe und Glück die Stelle als Spitzenköchin für eine sehr exklusive Gesellschaft, die abgeschieden auf einem Gipfel im italienisch-schweizer Grenzland lebt, streng bewacht und getrennt vom Rest der Welt. Die ganz
offensichtlich dem Untergang entgegensieht, denn eine riesige Smog-Wolke zieht, ausgehend von den Great Plains der USA, um die Welt, verdunkelt den Himmel und führt zum Aussterben von Pflanzen und Tieren, Hungersnöten, Seuchen und Verteilungskämpfen. Allein eine in Laboren hektisch erzeugte genetisch veränderte Mungobohnensorte ernährt mit ihrem grau-pappigen Mehl die überlebende Menschheit. Schwelgend im Nahrungsmittelluxus erkennt die junge Frau bald die brutale Wahrheit; dass sie als Lockvogel für Investoren die (verschwundene? getötete?) Ehefrau ihres Auftraggebers darstellen soll. Aida, deren Tochter, und sie gehen eine verzweifelte Liebesbeziehung ein und so erfährt sie auch die Geheimnisse der Kolonie auf dem Berg: Eine Handvoll Superreiche finanziert riesige Forschungslabore, in denen im Inneren des Berges verlorengegangene Flora und Fauna wiederaufersteht, um damit ein entferntes, sicheres Neuland zu besiedeln. Wenige werden dorthin mitkommen, Macht und Geld entscheiden. Obwohl Aida ihr einen sicheren Platz auf der Liste zusagt, verzichtet die junge Köchin und erfährt erst viel später, nachdem auch anderen Wissenschaftlern weltweit der "Reset" des blauen Planeten gelingt, dass das Ziel der Kolonie vom Berg eine Art Arche Noah Richtung Mars war; die allerdings mit einer Explosion nach dem Start und wilden Spekulationen endete. - Ein vielschichtiger Roman, an der Grenze von Fantasie und dem Möglichen, beschreibt menschliche Abgründe und tiefe Emotionen im Angesicht des Untergangs. Erschreckend und hoffnungsvoll zugleich.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wo Milch und Honig fließen
C Pam Zhang ; aus dem amerikanischen Englisch von Eva Regul
S. Fischer (2023)
271 Seiten
fest geb.