Bruchzeiten
Marina Chernivsky ist Jüdin, geboren in Lviv in der Ukraine, wuchs sie in Israel auf und kam 2001 als Studentin nach Deutschland. In ihrer autobiografischen Dokumentation erzählt sie vom Leben der jüdischen Minderheiten in verschiedenen Ländern
von der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart. Sie erläutert die Suche nach und das Leben von eigener Identität, aber auch die stetige Konfrontation der Juden mit antisemitischen Bestrebungen. Ein dramatischer Höhepunkt ist für sie der 7. Oktober 2023, in dem der beispiellos brutale und grausame Überfall auf israelische Siedlungen mit Hunderten von Todesopfern und Geiselnahmen, aber auch die antisemitischen Aktionen, unter denen Juden außerhalb Israels seit den israelischen Angriffen auf die Hamas zu leiden haben. In ihrem Buch schlägt die Psychologin mit ebenso scharfsichtigen wie klugen Worten einen Bogen von der Situation der jüdischen Bevölkerungen in Europa seit den Kriegs- und Nachkriegszeiten bis zur heutigen Situation im Nahen Osten, in dem die Welt in viele Fragmente zu zerfallen scheint. In Zeiten antiisraelischer und antijüdischer Aktionen weltweit ist dies ein ungemein wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt über politische und gesellschaftliche Entwicklungen, deren Ursprünge auch in unserer Vergangenheit liegen. Sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bruchzeiten
Marina Chernivsky
S. FISCHER (2025)
174 Seiten
fest geb.