Philosophinnen
Der Titelzusatz mag etwas irreführend sein, was die Chronologie der Philosophinnen angeht, denn das Buch bietet einen Abriss mehr oder weniger bekannter Denkerinnen aller Kontinente von Platon bis zur heutigen Zeit. Zunächst eher als Gesprächspartnerin,
vielleicht auch nur fiktiv (Diotima) zum Thema Eros und Liebe, dann in belegter Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen Eheleuten (Ban Zhao) oder Philosophie und Gesellschaft (Hypatia), zeigt sich bereits früh, dass Frauen jedweder Nationalität gleichberechtigt mit den großen Philosophen und nicht nur als deren Unterstützerinnen und schmückendes Beiwerk zu sehen sind. Sie haben mit ihren Überlegungen die Rolle der Frau in der Gesellschaft gefestigt, geben auch aktuell heute noch Denkanstöße zur politischen Einmischung in Krisensituationen (z.B. Hannah Arendt) und sind maßgeblich an wichtigen Themen wie Privatsphäre in unserem technologisch bestimmten Zeitalter beteiligt (Anita L. Allen). 20 Kurzporträts, vorgestellt von Akademikerinnen aus den unterschiedlichsten philosophischen Teilbereichen, geben einen kleinen Einblick in die Fülle der Denkerinnen und regen zu weiterführender Lektüre an. Die aufgeführte Primär- und Sekundärliteratur sowie der Hinweis auf weitere Philosophinnen der Antike bis zur Neuzeit sind ein weiteres Plus. - Für ausgebaute Bestände, gerade auch im Zuge der Genderfrage, zu empfehlen.
Margit Düing Bommes
rezensiert für den Borromäusverein.
Philosophinnen
herausgegeben von Rebecca Buxton und Lisa Whiting ; aus dem Englischen übersetzt von Daniel Beskos [und drei weiteren]
Reclam (2024)
185 Seiten
kt.