Hotel Amerika

Zusammen mit ihrer Mutter und ihr dienstlich gleichgestellten Frauen bewohnt das Wäschemädchen Shirley in einem abseits gelegenen Trakt des Hotels Amerika eine Kammer. Für die am Ende der Personalkette stehenden Frauen sind ausgediente Möbel und Hotel Amerika zerschlissene Bettwäsche gerade gut genug. Doch Shirley will das Hotel verlassen. Deshalb traut sie sich, gegen die unmenschlichen Arbeitsbedingungen aufzubegehren, als sie und ihre Kolleginnen verfaulte Kartoffeln essen sollen. Ihr Mut führt dazu, dass auch Bedienstete anderer Sparten revoltieren. Wohl auch deshalb verlässt Shirley das Hotel zuversichtlich und selbstbewusst. Maria Leitner (1892 – 1942) hat als Journalistin überall in den USA minderwertige Jobs angenommen, um aus dieser Perspektive berichten zu können. Aufgrund ihrer Erfahrungen kann sie die hierarchischen Rangeleien der Angestellten untereinander, aber auch deren Angst vor Revolten, mit denen sie ihren Job riskieren, hervorragend beschreiben und mit lebensnah gezeichneten Figuren auch vermitteln. Ein lesenswerter, spannender historischer Roman, der in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre entstand und 1930 veröffentlicht wurde. 1933 gehörte er zu den ersten Büchern, die von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, wie Katharina Prager in ihrem informativen Nachwort anmerkt. Auch mit Blick auf die Unterbringung von (illegal) Beschäftigten und Saisonarbeitern - auch hierzulande – ist der Roman sehr aktuell.

Hotel Amerika

Hotel Amerika

Maria Leitner
Reclam (2024)

Reclams Klassikerinnen
254 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618977
ISBN 978-3-15-011476-6
9783150114766
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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