Das verfallene Herrenhaus
Als im 19. Jh. die Besitzer einiger der prächtigsten Anwesen in England deren Erhaltung nicht mehr finanzieren können, nehmen sie sich in Amerika eine Tochter der schwer reichen Familien zur Frau. Sie bekommen so Geld zur Finanzierung ihres maroden
Besitzes, die Amerikanerinnen den Glanz alten Adels. Für Rose, naive Tochter eines amerikanischen Multimillionärs, wird solch eine Ehe zum Alptraum. Ihr Mann Nigel quält sie, verprasst ihr Geld für eigene Vergnügungen und boykottiert den Kontakt zu ihrer Familie. Ihre Schwester Betty ahnt Schreckliches und reist nach England, wo sie Rose und das alte Herrenhaus in katastrophalem Zustand vorfindet. Betty gelingt es, ihrer Schwester, deren behindertem Sohn, den Bediensteten und dem ganzen Dorf neuen Lebensmut zu bringen. Teilweise und für moderne Lesegewohnheiten langatmig und sehr gefühlvoll beschreibt die Autorin diesen Wandel. Die Situation eskaliert, als Nigel von seiner Vergnügungsreise zurückkommt. Er begehrt die schöne Betty und möchte sie sich gefügig machen. Im spannenden – allerdings auch langatmig erzählten – Höhepunkt des boshaften Angriffs Nigels erweist sich sogar die verletzte Betty als die Stärkere. Nigel stirbt am Ende und Rose ist erlöst. Hinter den langatmig, teilweise überbordend erzählten Gefühlswallungen ist das Thema aktuell und die Botschaft universell, dass Liebe und Zuneigung mehr erreicht als Hass und Gewalt und hinter bösartigen Tyrannen oft eine schwache Persönlichkeit steckt. Außerdem gibt der Roman einen interessanten Einblick in die Zeit um die Jahrhundertwende. Die Autorin ist durch die Klassiker "Der Kleine Lord" und "Der Geheime Garten" bekannt.
Lotte Schüler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das verfallene Herrenhaus
Frances Hodgson Burnett ; aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gerlinde Völker
Reclam (2024)
Reclams Klassikerinnen
807 Seiten
fest geb.