Die Musik der Fremde
Viele prominente und nicht prominente Komponisten, Musiker, Sänger und Interpreten flohen vor Verfolgung und Zensur vor den Nazis, besonders jüdische. Es gab aber auch Komponisten, die in Deutschland blieben und obwohl sie nicht mit den Nazis sympathisierten,
manchmal aus beruflichen Gründen in die NSDAP eintreten mussten, um weiter arbeiten zu können. Dank Beziehungen, Verwandtschaft und finanziellen Mitteln konnten andere im Exil unter schwierigen Umständen ein neues Leben aufbauen, „es war ein Zustand körperlicher und geistiger Transplantation“. Viele komponierten für sich selbst, für Fremde oder Familienangehörige, ohne an eine Veröffentlichung zu denken. Für die meisten Zuhörer im Land des Exils blieb die Musik oft fremd, sie drückte oft die Sehnsucht aus, irgendwann einmal zurückzukehren. – Michael Haas erforscht in dem Buch, wie die Musiker auf tragische Weise ihre Heimat und Identität verloren. Aufgrund seiner Tätigkeit als Musikkurator am Jüdischen Museum Wien und später Mitbegründer des Exilarte-Zentrums an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien ist er Spezialist für „Musik in der Fremde“ und vermittelt mit seinem Wissen und seinen Anekdoten neue Erkenntnisse für alle Musikinteressierten.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Musik der Fremde
Michael Haas ; aus dem Englischen übersetzt von Susanne Held
Reclam (2025)
448 Seiten : Illustrationen
fest geb.