Überleben
Basierend auf Gesprächen, Dokumenten und Fotografien zeichnet der Historiker Gerhard Zeillinger die leidvollen Erfahrungen des österreichischen Holocaust-Überlebenden Walter Fantl (geb. 1924) nach. Aufgewachsen in der einzigen jüdischen Familie
des Dorfes, geschätzt und anerkannt in der dörflichen Gemeinschaft, erfahren Walter und seine Familie nach der Machtübernahme der Nazis Diskriminierung und Ausgrenzung, beinahe täglich neue Verbote, schließlich den Verlust des Geschäfts und Hauses und am Ende die Zwangsumsiedlung nach Wien. Fantl absolviert eine Schlosserlehre, während der er den für ihn so wichtigen Ledergürtel erhält. Versuche seiner Eltern, nach Amerika oder Palästina auszuwandern, scheitern. 1942 wird die Familie nach Theresienstadt deportiert, das er - trotz gravierender Einschränkungen und demütigender Maßnahmen - aufgrund seiner späteren Erfahrungen als "Paradies" bezeichnet. Mit 20 Jahren nach Auschwitz (Ermordung des Vaters) und anschließend in das "Krepierlager" Gleiwitz gebracht, ist der Gürtel das Einzige, was ihm von seinem früheren Leben geblieben ist, sein Überlebenssymbol, das ihm Mut und Kraft zum Durchhalten gibt. Nach Todesmarsch und Befreiung durch die Rote Armee versucht Fantl, heimatlos und ohne Perspektive, geprägt von den schrecklichen Erlebnissen der vergangenen Jahre, physisch und psychisch am Ende, langsam wieder Fuß zu fassen. Dieses ergreifende Schicksal dokumentiert und erzählt Zeillinger sehr einfühlsam, aber nicht zu emotional, sondern klar und präzise, vor allem aber mit einer unmissverständlichen mahnenden Aussage. - Allgemein sehr zu empfehlen!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Überleben
Gerhard Zeillinger
K&S (2018)
238 S. : Ill.
fest geb.