Kalle will nicht knuddeln

In letzter Zeit bekommt Hund Kalle immer ein merkwürdiges Gefühl im Bauch, sobald er durch das Tor im Park spaziert. Seine Freunde stürzen sich voller Begeisterung auf ihn, umarmen ihn überschwänglich, springen ihn an oder lecken ihm mit der Zunge Kalle will nicht knuddeln quer durchs Gesicht. Kalle ist nämlich klein, niedlich und hat ein wuscheliges Fell, scheinbar ein Freibrief für alle, ihn jederzeit anzufassen. Kalle sieht einen Kaktus und hat die Erleuchtung. Er beschließt, von einem kuscheligen Freund zu einem stacheligen Hund zu mutieren. Am nächsten Tag staunen seine Freunde nicht schlecht: Plötzlich kann Kalle klar sagen, dass er nur dann umarmt oder getätschelt werden möchte, wenn er vorher zugestimmt hat. Die anderen reagieren betroffen, doch sie verstehen ihn. Sie reflektieren ihre eigenen Gefühle und lernen, dass auch überschwängliche Zuneigung Grenzen hat. Kalle ist erleichtert, sein Selbstbewusstsein ein gutes Stück gewachsen. – Diese liebevoll erzählte Geschichte hat Vorbildfunktion. Sie vermittelt Kindern, wie wichtig persönliche Grenzen sind und dass ein klares "Nein" respektiert werden muss. Gleichzeitig wird gezeigt, wie Kommunikation auf Augenhöhe gelingen kann, und dass auch schwierige Gefühle einen Platz haben dürfen. Besonders wertvoll: die Geschichte wirkt nicht belehrend, sondern überzeugt mit warmherzigem Humor und einem sympathischen Protagonisten. – Eine klare Empfehlung für jede Kinderbücherei und alle Eltern, die mit ihren Kindern über Selbstbestimmung und emotionale Grenzen ins Gespräch kommen möchten.

Martina Mattes

Martina Mattes

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Kalle will nicht knuddeln

Kalle will nicht knuddeln

Jule Wellerdiek
annette betz (2025)

[32] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 621127
ISBN 978-3-219-12029-5
9783219120295
ca. 16,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 4
Systematik: KK
Diesen Titel bei der ekz kaufen.