Der Sohn
Sara Silverstein führt mit ihrem Ehemann Jacob, einem erfolgreichen Filmproduzenten, dem 18-jährigen, in den USA geborenen Sohn Mitch, der 13-jährigen Tochter Tess, der Mutter Iezebel und dem Vater Herman, einem Holocaust-Überlebenden, ein harmonisches
Familienleben in einer repräsentativen Villa in Holland. Die Familie fühlt sich in Kalifornien genauso zuhause wie in den Niederlanden. Doch als Herman Silverstein überraschend stirbt, scheint der Schutz über der Familie verloren gegangen zu sein. Zunächst eröffnet Mitch seiner Mutter, dass er zum Studium nach Kalifornien geht. Als er ihr nach ein paar Monaten schreibt, dass er sich in den USA zum Afghanistan-Kämpfer ausbilden lassen will, ist sie fassungslos, fliegt sofort nach San Francisco und versucht vergeblich, ihn umzustimmen. Zurück in den Niederlanden wird sie beim Joggen vergewaltigt, und die Silversteins werden in ihrem eigenen Haus überfallen, was gravierende Folgen für alle Beteiligten haben soll. Nach und nach erkennt Sara, dass da ein Mann ihr Leben bedroht, der selbst in eine der Vergangenheit angehörende und doch auf fatale Weise bis in die Gegenwart reichende Geschichte von Hass, Schuld und Opferrolle verstrickt ist - eine Geschichte von der Großvater Silverstein nie gesprochen hat und die sein Enkel Mitch nun zu Ende führen muss. - Die Autorin zeichnet in ihrer etwas konstruiert wirkenden Geschichte realistische Charaktere, hat ein Auge fürs Detail und blickt dabei sehr emotional in die Seelentiefen ihrer Protagonisten. Die Handlung des beklemmenden Psychothrillers, dem es recht gut gelingt, Familiendrama, Holocaust-Trauma und Gegenwart miteinander zu verbinden, ist packend und mit überraschenden Wendungen. Insgesamt aber keine leichte Lektüre, für entsprechend interessierte Leser jedoch durchaus empfehlenswert. (Übers.: Hanni Ehlers)
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Sohn
Jessica Durlacher
Diogenes (2012)
407 S.
fest geb.