Dieses Buch gehört meiner Mutter

Der österreichische Schriftsteller Erich Hackl, bekannt für seine Romane über Verstoßene und Außenseiter, hat ein Buch über seine Mutter geschrieben. Und zugleich ein Buch mit seiner Mutter. "Dieses Buch gehört meiner Mutter", trumpft der Titel Dieses Buch gehört meiner Mutter in Anlehnung an Bettine von Arnims "Dies Buch gehört dem König" auf. Hackl hält sich an die Erzählungen seiner Mutter, gibt ihren Erinnerungen eine milieugetreue Stimme, nimmt sich aber die Freiheit, ihr sein eigenes Gewissen "anzudichten", wie er im Nachwort sagt. Auf diese Weise entführt er den Leser in die schlichte Welt einer Bauerstochter aus dem nördlichen Donauland, unweit der tschechischen Grenze. Es ist eine Welt, in der die Kinder noch aus Autoreifen Radiergummis schnitzten und aus Fassdauben Skier bauten. Erfüllt war die Mutter "von Fleiß, Gehorsam, Gottesfurcht" und doch "immer in der Schwebe zwischen Argwohn und Leichtsinn". Trostlosigkeit (beim Tod ungetaufter Kinder oder bei abhausenden, d.h. pleitemachenden Bauern) und Gewalt (gerade in Familien) stehen neben poetisch verdichteten Alltagsabenteuern (als die Töchter des Schmieds am Kriegsende eine Kapellenglocke vor der Roten Armee verstecken). Hackl hat kleine literarische Gedenksteine entworfen, konzentrierte, manchmal recht karge Vers-Geschichten, erzählt mit List und Humor, die lange nachwirken. Allen Beständen empfohlen.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Dieses Buch gehört meiner Mutter

Dieses Buch gehört meiner Mutter

Erich Hackl
Diogenes (2013)

116 S.
fest geb.

MedienNr.: 386996
ISBN 978-3-257-06866-5
9783257068665
ca. 17,90 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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