Der Drahtzieher
Die Autorin Sarah Pines ist im Sauerland aufgewachsen und erzählt vom dortigen Leben der großherrschaftlichen Unternehmer und des Geldadels in den Goldenen Zwanziger Jahren. Hauptperson ist Theodor Hasselt, Besitzer einer Drahtzieherei. Sein Unternehmen
stellt Kabel und Drähte her, die für das Eisenbahnprojekt „Vom Kap nach Kairo“ gebraucht werden. An seinem Standort in Deutsch-Südwest-Afrika lernt er die reizende Cousine Alba näher kennen, die behauptet, von ihm schwanger zu sein. Gemeinsam ziehen sie ins heimatliche Sauerland, wo das Paar bestaunt werden würde. Bald nach ihrer Ankunft beginnt eine „Mehrfachaffäre“. Alba verliebt sich in den reicheren Albert, den besten Freund und Geschäftspartner von Theodor. Der wiederum betrügt Alba mit Alberts Verlobter Marthe. Den beiden Männern ist gemeinsam, dass sie sich eine Prostituierte teilen. Theodor kommt mit seinem Leben, das von Liebe, Abhängigkeit, Verrat, Eifersucht, Wut, Impulsivität, Geld und Dekadenz umgeben ist, und den Geschäften in seiner Firma nicht mehr klar. Letzter Satz des Romans: „…das Paar im Garten im Sauerland im Begriff steht, in den Abgrund zu fallen.“ Ein packender und spannender Erstlingsroman von Sarah Pines – auch für Nicht-Sauerländer – bestens zu empfehlen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Drahtzieher
Sarah Pines
Diogenes (2024)
319 Seiten
fest geb.