Fenster ohne Aussicht
Dror Mishani, bekannt als erfolgreicher Krimiautor, ist am 7. Oktober 2023, als die Hamas Israel überfällt und wahllos Zivilist:innen ermordet, vergewaltigt und entführt, gerade in einem Hotel in Toulouse. Als er die schrecklichen Nachrichten aus
Israel hört, will er sofort zu seiner Familie zurück. Schon während des Flugs entwirft er einen Artikel, in dem trotz Trauer, Angst, Ohnmacht, Wut und Schock nicht R a c h e im Vordergrund steht, sondern das Innehalten und Deeskalieren, die Stimme der Vernunft. Immer hat er bisher an ein Miteinander zwischen Israelis und Palästinensern geglaubt. Aber solche Stimmen werden momentan nicht gern gehört, im Gegenteil: parallel zur ansteigenden Zahl der Kriegsopfer läuft eine Propagandaschlacht. Die Hamas sei schlimmer als Nazis. Das ganze Land ist zerrissen. Dror Mishani selbst findet Trost und Orientierung in der Literatur (griechische Sagen, Altes Testament). Letztendlich ist das Buch ein Aufruf zur Vernunft. Rache darf nicht das weitere Leben bestimmen! Ab mittleren Beständen empfehlenswert.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Fenster ohne Aussicht
Dror Mishani ; aus dem Hebräischen von Markus Lemke
Diogenes (2024)
214 Seiten
fest geb.