Dein Herz, ein wildes Tier
Coral, Staci, Ray und Ernie leben zusammen mit anderen in einem Camp für Außenseiter. Coral ist stumm und taub, Staci eine ehemalige Stripperin und auch die Männer haben keine ruhige Vergangenheit gehabt. Das Leben dort verläuft abgeschieden unter
der Kontrolle von Tim, dem Leiter des Camps. Finanziert wird die Gemeinschaft durch Drogenverkäufe. Als die vier von einer ihrer Verkaufstouren zurück zum Camp kommen, sehen sie von weitem eine riesige Rauchsäule aufsteigen und zahlreiche Einsatzfahrzeuge eintreffen. Für sie ist die Sache sofort klar: Beim Kochen der Drogen muss etwas schiefgelaufen sein und nun stürmt die Polizei offenbar das Gelände. Sie fliehen sofort und landen in einem kleinen Dorf in Texas. Ihr einziger Besitz besteht aus ihrer Kleidung, zwei Motorrädern und dem Drogengeld aus der letzten Tour. Mit dem Geld können sie sich ein Haus mieten und ziehen gemeinsam ein. In der zusammengewürfelten Gemeinschaft beginnen sie ein ruhiges Leben. Allerdings will Tim sein Geld zurück ... – Die Geschichte überzeugt durch ihren außergewöhnlichen Stil und eine ebenso ungewöhnliche Handlung. Besonders herausragend sind die speziellen, sehr unterschiedlich gezeichneten Charaktere – keiner von ihnen ist wirklich „normal“, gerade das macht sie so interessant. Viel Raum nimmt die Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen ein, was der Geschichte eine besondere Tiefe verleiht. Die Spannung entsteht weniger durch äußere Ereignisse als vielmehr durch die Figuren selbst und die Frage, was sie als Nächstes tun. Wer Geschichten mag, in denen die Charaktere im Mittelpunkt stehen, wird hier voll auf seine Kosten kommen.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Dein Herz, ein wildes Tier
Jardine Libaire ; aus dem amerikanischen Englisch von Eva Regul
Diogenes (2025)
321 Seiten
fest geb.