Die Sonne und die Mond
Sonja, genannt Sonne, und Jana von Mond waren in ihrer Jugend beste Freundinnen und wollten zusammen auf Deutschlands Kleinkunstbühnen Karriere machen. Doch Jana begeht einen unverzeihlichen Verrat an Sonja, um im großen Showbiz Fuß zu fassen. Ihre
Freundschaft zerbricht, und während Jana im Fernsehen berühmt wird, wird Sonja eine alternative Bestatterin in Berlin. Sie versucht dabei, jedem Hinterbliebenen nach Möglichkeit auch die ausgefallensten Wünsche zu ermöglichen, denn Trauer ist persönlich und sollte so gewürdigt werden. Bis eines Tages Jana vor ihrer Tür steht und Sonjas Hilfe bei der Bestattung ihres Ex-Mannes und dessen Geliebter erbittet. Sonja ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Wut auf Jana und dem Credo ihres Unternehmens. – Verlust zu erfahren und ihn zu verarbeiten, ist das Hauptthema dieses Romans. Vornehmlich geht es um den endgültigen Verlust eines geliebten Menschen durch den Tod, aber auch der Verlust von Freundschaften, Gesundheit oder der Arbeit ist schwerwiegend, und jeder Mensch verarbeitet ihn anders. Da sind z. B. der Bestatter, der seine Trauer mit intensivem Kraftsport bekämpft, Sonja, die alles im Alleingang schaffen will, und die Eltern von Ying Shu, die sich in die Tradition flüchten. All diese Trauerbewältigung ist einfühlsam und, wo immer angemessen, mit Humor erzählt. Allerdings verliert sich die Geschichte immer wieder auch in abschweifenden Rückblicken, die die Erzählung nicht voranbringen und den Roman langatmig machen. Von diesen Stellen abgesehen, ist dies ein sehr guter und unterhaltsamer Roman über das schwierige Thema der Trauerbewältigung.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Sonne und die Mond
Chris Kraus
Diogenes (2025)
607 Seiten
fest geb.