Geschichte der griechischen Philosophie
Was heißt philosophieren? Neugier, Wissensdrang, die Angst vor dem Unbekannten gehören dazu, natürlich auch die Wissenschaften und die Religion. Das meint Luciano De Crescenzo, ein italienischer Tausendsassa, der Regisseur, Talkmaster, Bestsellerautor
- und ein wahrer Denkmeister ist. Seine Kunst ist die Einfachheit und Verständlichkeit. So bringt er uns die griechische Philosophie sehr menschlich nahe: in Anekdoten über die Denker und in Führungen durch ihre Lehrgebäude. Das Ganze geschieht sozusagen über die philosophische Hintertreppe, listig und lapidar. So ganz nebenbei räumt er dabei auch mit manchen Plattitüden auf. Wir erfahren, was die "platonische Liebe" mit einem Aufzug gemeinsam hat, wie Zenons Paradoxa widerlegt werden können, was sokratische Ironie im Angesicht des Lebensendes ist, wie man mit einem Syllogismus nach der Bauart des Aristoteles einen Lehrer foppen kann und was das Dunkle an Heraklit und das Christliche an der Stoa ist. Ein hübscher Einfall ist es, dass der Autor seine 'Privatkönige' mit ins Denkmuseum schleppt: ein Puppensammler, ein Schuhverkäufer, ein Mathematiker, ganz gewöhnliche Leute aus Neapel, von denen man, sieht man ihnen beim Philosophieren zu, vielleicht ebenso viel lernen kann wie von ihren großen 'Brüdern'. Ein Streifzug durch die antiken Denkgefilde von den Vorsokratikern bis Plotin, mit modernster Ausrüstung und viel Humor! Sehr zu empfehlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Geschichte der griechischen Philosophie
Luciano De Crescenzo
Diogenes (2016)
559 S. : Kt.
kt.