Nachteule
Luisa hat eine besondere Gabe: sie kann im Dunklen sehen. Das nutzt sie erstmal dazu, abends und in der Nacht Tiere am Waldrand zu beobachten. Woher kommt diese Fähigkeit? Vielleicht von ihren südamerikanischen Ahnen, denn die mittlerweile 15-jährige
wurde als Kleinkind in eine gutbürgerliche deutsche Familie adoptiert. Schon rein optisch ist sie damit „Exotin“. Der Haussegen hängt allerdings schon einige Zeit schief: der Vater hat wohl eine Affäre und soll nochmal Vater werden (allerdings nicht von seiner Frau). Eines Abends lernt Luisa Tim kennen, der im Wald lebt und dessen Geschichte unklar bleibt. Die beiden freunden sich an und Luisa ist von dem einige Jahren älteren Tim fasziniert. Sie besorgt ihm Essen und Zigaretten und quartiert den Obdachlosen dann im Keller des Elternhauses ein. Was mit kleinen Flunkereien beginnt, wird bald schon kriminell, denn Tim nutzt Luisas Talent als „Nachteule“, um Einbrüche zu begehen. Eines Tages gerät einer der Brüche außer Kontrolle. Wie gehen die beiden mit ihrer Schuld um? – Inzwischen ist Bestsellerautorin Ingrid Noll 90 Jahre alt, in schöner Regelmäßigkeit gibt es neue Bücher von ihr (zuletzt: Gruß aus der Küche – BP/mp 24/565). Inzwischen ist sie deutlich milder und weniger böse als noch vor Jahren. Ihren Fans wird der neue „Fall“ sicher gefallen, auch wenn Handlung und Ende eher unspektakulär sind. Aber manches Mal wird der Humor der Autorin deutlich. Nellie Fischer-Benson ist eine gute Wahl, die junge Luisa zu sprechen. Ihrer ungekürzten Lesung hört man gern fünfeinhalb Stunden zu!
Felix Stenert
rezensiert für den Borromäusverein.
Nachteule
Ingrid Noll ; gelesen von Nellie Fischer-Benson
Diogenes Hörbuch (2025)
Diogenes Hörbuch
5 CDs (circa 337 min)
CD