Die acht Leben der Frau Mook
Frau Mook wurde in Japan geboren, wuchs in Nordkorea auf und lebte zum Schluss in Südkorea. Das Land war von 1910 bis zur Teilung 1945 in Nord und Süd unter japanischer Herrschaft. Die acht von ihr geschilderten Lebensabschnitte sind nicht chronologisch
angeordnet und allesamt von unvorstellbarer Gewalt gegen Frauen geprägt. 1938, im "ersten Leben" als Kind, war sie, wie auch ihre Mutter, zügellosen Prügelattacken durch den Vater ausgesetzt, bis sie aus Notwehr zur Mörderin wurde. Als junge Frau wurde sie als "Trostfrau" für die japanischen Besatzer zur Prostitution gezwungen (man schnitt ihr ohne Narkose die Gebärmutter heraus), bis ihr nach Jahren die Flucht gelang. In Folge durchlebte sie, hauptsächlich im totalitären Nordkorea, in verschiedenen "Leben" und Rollen wie z. B. als Spionin die wechsel- und leidvolle Geschichte ihres Landes, Koreakrieg, Weltkrieg und die bis heute abgrundtief verwurzelte Feindschaft zwischen Nord und Süd. Und dennoch gibt es in all dem Leid auch Freundschaft, Liebe und Hoffnung. – Die fiktive Frau Mook ist das Gesicht dieser auf Fakten basierenden Historie. Zwangsläufig wechseln häufig Orte, Perspektiven, Namen und Identitäten v. a. der Protagonistin, was mitunter verwirrt und die Lektüre erschwert. Hier wäre ein kurzer historischer Abriss als Anhang hilfreich. Doch Frau Mook erweist sich, in welcher Identität auch immer, stets als starke Persönlichkeit und Sympathieträgerin, die sich nicht unterkriegen lässt, was wiederum die Lektüre des glänzend geschriebenen und bereits preisgekrönten Debütromans der südkoreanischen Autorin, die in Hongkong lebt, erleichtert.
Barbara Riedl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die acht Leben der Frau Mook
Mirinae Lee ; aus dem Englischen von Karen Gerwig
Unionsverlag (2025)
333 Seiten
fest geb.