Das Meer der Aswang
Dieses Buch ist in mehrfacher Hinsicht ungewöhnlich. Schon die wunderbare haptische Gestaltung des Umschlags und die feinen Illustrationen stechen aus der Masse hervor. Inhaltlich ist es genauso besonders: Es erzählt die Verwandlung der 15-jährigen
Luklak in eine Aswang, ein hexenartiges Zwischenwesen in Gestalt eines Krokodils, auf der philippinischen Inselgruppe Visayas im 18. Jh. Während die Verwandlung geschieht, erfährt man nebenbei Näheres über das Leben zur damaligen Zeit, mit ihren Wunderheilern, den unbarmherzigen spanischen Besatzern und dem schwierigen Alltag. Man muss sich auf dieses kuriose Sammelsurium von tradierten Mythen, geisterhaften Wesen, bildhaft-grausamen Szenen und fremden Begriffen aus den verschiedenen philippinischen Sprachgruppen einlassen. Dann öffnet der Roman den Horizont für bisher unbekannte literarische Welten und man wird belohnt mit einer Fülle an grotesken Episoden, die sich aus den mündlich überlieferten Epen einer Volksgruppe auf den Visayas speisen. Als Beschäftigung mit den Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2025 bestens geeignet und für alle, die gerne gewohnte Lesepfade verlassen und sich offen auf interessante Abenteuer begeben wollen.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Meer der Aswang
Allan N. Derain ; aus dem Filipino (Tagalog) von Annette Hug
Unionsverlag (2025)
250 Seiten : Illustrationen
fest geb.