Mein Bruder
Jamaica Kincaid setzt sich in diesem Buch mit ihrem 1997 an Aids verstorbenen Bruder Devon auseinander. Die Erinnerungen beinhalten auch Reflexionen über ihre Kindheit. Das Verhältnis zu ihrer Mutter war vor allem von Ablehnung geprägt und hat Kincaid
auch dann noch belastet, als sie bereits eine eigene Familie in Vermont, USA, hatte. Diese Zerrissenheit empfand die Autorin auch ihrem Bruder Devon gegenüber. Kincaid versorgte ihn mit teuren Medikamenten, redete ihm ins Gewissen, doch Devon ging nicht besonders verantwortlich mit seiner Krankheit um. Er hatte weiterhin sexuelle Kontakte mit Frauen, nahm Drogen und trank Alkohol. Als er starb, verspürte Kincaid sowohl Trauer als auch Erleichterung. Kincaids Geschichte beeindruckt durch große Aufrichtigkeit. Sprachlich ist das Buch geprägt von einfachen Sätzen und suggestiven Wiederholungen, die die Intensität der geschilderten Gefühlswelt verstärken. Die Autorin verwendet kaum Namen, wodurch eine große Distanz zu ihrer Umgebung entsteht. Jamaica Kincaid schildert in ihrem Buch aber auch das auf Antigua vorherrschende Lebensgefühl und zeigt die Armut auf, die in dieser Region der Welt herrscht.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Mein Bruder
Jamaica Kincaid ; aus dem Englischen von Sabine Herting
aki (2021)
236 Seiten
fest geb.