Das zweitbeste Glück
Als wahren Schicksalstag betitelte die Presse den 7. Juli 1919, als nach dem schrecklichen Absturz des berühmten Schweizer Piloten Oskar Bider auch noch der Tod seiner bekannten Schwester, der Filmschauspielerin Julie Helene Bider, zu vermelden war.
Doch während in der Öffentlichkeit der Grund ihres Sterbens zunächst auf den großen Schmerz über den Verlust des geliebten Bruders zurückgeführt wurde, sickert allmählich die Wahrheit durch: Selbstmord, mit einer Pistole in einem Hotel, nur kurz, nachdem sie beschlossen hatte, ihr Glamourleben aufzugeben und sich stattdessen an einen Mann zu binden, dessen Verlobungsring sie bereits trug. So zielstrebig, wie Leny alles in ihrem Leben anpackte, so konsequent war sie bis zur letzten Minute: Ein letztes Mal erfüllte sie sich mit der Schlagzeile des schrecklichen Doppeltods ihren großen Traum: ganz vorn im Rampenlicht zu stehen. - Feinfühlig, gefühlvoll und doch schonungslos direkt widmet sich Margit Schriber der Biografie des schillernden Schweizer Paares, das zu Beginn des 20. Jh. als gefeierte Pioniere der beiden aufkommenden technischen Sensationen, Film und Flugzeug, und auf Grund ihrer schillernden Selbstinszenierungen die Öffentlichkeit in Atem hielten. Gut recherchiert konstruiert Schriber mit Hilfe von Tagebucheinträgen, Briefen, Berichten und ein wenig Fiktion das Bild einer ehrgeizigen, selbstbewussten, eigensinnigen und doch oft einsamen Frau, deren Selbstmord, im wahrsten Sinne des Wortes, eine Tragödie darstellt. Eine sensible, vielschichtige und einfühlsame Erzählung.
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das zweitbeste Glück
Margrit Schriber
Nagel & Kimche (2011)
168 S. : Ill.
fest geb.