Louise
Im "Rechtlichen Hinweis" am Ende des Buches erklärt die Autorin, dass "trotz umfangreicher Recherche... und der Orientierung an Lebensdaten und -orten sämtliche Szenen und Dialoge frei erfunden... und sämtliche Schilderungen... als Fiktion anzusehen...
sind". So entsteht auf rund 200 Seiten ein emotional sehr dichter Roman um die Entwicklung einer 1911 geborenen jungen Frau, die als Mädchen zwar vom Vater toleriert, aber wenig bestärkt, als Kind sogar lächerlich gemacht und verängstigt und dazu ausersehen wird, in einer guten Partie standesgemäß zu reüssieren. Bei der Mutter dagegen findet Louise Unterstützung und Geborgenheit und die Ermunterung, ihr künstlerisches Talent einzusetzen. Die Eltern leiten eine Galerie nebst Werkstätten zur Restauration und Erneuerung edler Tapisserien, Louise wächst zwischen Woll- und Seidenfäden, Farbpigmenten und den geknüpften Kunstwerken auf und fertigt bereits als Kind Vorlagen für Hände und Füße der Dargestellten an. Als die Mutter über Jahre schwer erkrankt, übernimmt Louise die Pflege, zuhause und auf Reisen in Kurorte und Sanatorien, von Pflicht,- Schuld,- und Versagensgefühlen geplagt, während der Vater sich sogar eine Mätresse ins Haus holt. Erst als die Mutter stirbt, findet Louise nach Suizidversuchen ihren Weg zu sich selbst, entkommt ihren Ängsten und dem Vater - und findet in der Kunst einen Weg, endlich ihre Gefühle auszudrücken. Der Roman lässt Louise erzählen, fragen, klagen, verzweifeln, hadern und leiden. Gut geschrieben, mit ausdrucksstarken Beschreibungen, eindrücklichen Schilderungen.
Elisabeth Bachthaler
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Louise
Ursel Bäumer
Nagel & Kimche (2023)
222 Seiten
fest geb.