Über den Strom

Eindrucksvoll, in meist sehr kurzen Sätzen und ohne viel Ausschmückung, schildert eine 14-Jährige in der Ich-Perspektive ihre Erlebnisse des letzten Kriegsjahres in Finnland. Der Vater im Krieg, die Halbbrüder bereits jung gefallen, Mutter und Über den Strom Onkel schon früher evakuiert, reiht sich die Protagonistin auf sich allein gestellt in den Treck der Vertriebenen ein. Dabei übernimmt sie auch noch die Verantwortung für das Vieh des elterlichen Bauernhofes, um es in Sicherheit zu bringen. Namenlos flieht sie im Herbst und Winter 1944/45 teils gemeinsam mit der etwas älteren Katri, der Stallmagd Martta und deren Sohn Matti, teils ganz allein, vor den Russen nach Schweden. Sie erfährt alle Kriegshärten auf dem Marsch durch karge Landschaften und in den teils menschenunwürdigen Sammellagern, sie erlebt Hunger, Gewalt und Tod, aber auch Zuwendung und Barmherzigkeit anderer Menschen. Ihr Pragmatismus, ihre für ein Bauernmädchen erstaunliche Bildung und ihre Erinnerungen geben ihr Kraft durchzuhalten. Die ebenso abenteuerliche Heimkehr nach dem Krieg ist aber auch nur ein Zwischenfrieden. – Die teils drastische Sprache und Schilderung könnte verstören, passt aber absolut zu diesem Roman und in die Zeit. Träume und Erinnerungen der Erzählerin sind im Gegensatz dazu sehr poetisch. Erläuterungen wären an manchen Stellen wünschenswert gewesen. Dennoch äußerst empfehlenswert.

Margit Düing Bommes

Margit Düing Bommes

rezensiert für den Borromäusverein.

Über den Strom

Über den Strom

Rosa Liksom ; aus dem Finnischen von Stefan Moster
Penguin Verlag (2024)

299 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 618087
ISBN 978-3-328-60263-7
9783328602637
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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