Wir Zerrissenen
Der Debütroman der südafrikanischen Autorin „spielt zwischen dem Beginn des Kolonialismus und dem offiziellen Beginn der Apartheid 1948. In dieser turbulenten Zeit wurden wegweisende Gesetze der Rassentrennungspolitik, wie der ‚Natives Land Act’
von 1913 und der ‚Immorality Act’ von 1927, verabschiedet.“ Die schwarze Engländerin Alisa und ihr weißer Mann Abram führen mit ihren beiden Töchtern Dido und Emilia ein gutes Leben auf ihrem prosperierenden Weingut unweit von Kapstadt. Als dann 1927 das Unsittlichkeitsgesetz erlassen wird, welches sexuelle Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen verbietet und unter Strafe stellt, ist ihr wohlgeordnetes Leben in Gefahr. Auch werden die Beziehungskonflikte des Paares und die Depressionserkrankung von Alisa immer bedrückender. Sie denken über Auswanderung nach, aber Alisa wählt einen anderen Ausweg, indem sie gemeinsam mit ihren Töchtern Suizid begeht. Die älteste Tochter Dido kann dabei gerettet werden und gemeinsam mit ihrem Vater flieht sie vor der Rassenpolizei aus Kapstadt zu einem alten Freund nach Pretoria, dann weiter über die Grenze nach Rhodesien. - Exemplarisch und bilderreich erzählt die Autorin am Beispiel der Familie, dem Freund in Pretoria und den schwarzen Hausangestellten, wie ein rassistisches System auf die Menschen zu Beginn des 20. Jh. am Kap gewirkt hat. Die afrikanischen Geschichten, Gebräuche und Mythen zeigen deutlich die Zerrissenheit und die Suche nach Heimat und Wurzeln bei schwarzer und weißer Bevölkerung. Ein sehr gelungener Erstling für Leser:innen mit einem Interesse an Kolonialgeschichte und Apartheidspolitik, der die schlimmen Folgen von Ausgrenzung, Vertreibung und Unterdrückung allein wegen der Hautfarbe eindringlich deutlich macht.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Wir Zerrissenen
Resoketswe Manenzhe ; aus dem Englischen von Dorothee Merkel
Penguin Verlag (2023)
351 Seiten
fest geb.