Das Land, das ich liebe
Jelena Kostjutschenko ist eine 36-jährige russische Investigativjournalistin, die nach dem Verbot ihrer Zeitung zu Beginn des Ukrainekrieges nach Berlin gekommen ist. Sie hatte wegen ihrer Artikel und ihrer sexuellen Orientierung in Russland große
Schwierigkeiten. Das Buch ist eine Zusammenstellung von veröffentlichten Artikeln (mit Datum) seit Beginn ihrer Tätigkeit, dazu die Beschreibung von Reisen und Gesprächen, die zu diesen Artikeln geführt haben. Letztlich entsteht ein Bild von Russland, einer Entwicklung unter Putin, die die Leser:innen schaudern lässt. Korruption, Gewalt, Mord, Umweltzerstörung, Lüge, das Ausgeliefertsein an die Vertreter der staatlichen Macht auch im kleinsten Dorf im hintersten Winkel Russlands, dazu große Armut und Alkoholismus und häufig Mitleidlosigkeit gegenüber den betroffenen Menschen - das wird in allen Kapiteln sichtbar. Trotz des schlechten Lebens aber immer wieder Zustimmung zum Handeln der Regierung - aufgrund gezielter Desinformation oder aus großer Angst. Daneben aber auch Protest und Engagement gegen die Unwahrheit, also großer Mut von einzelnen. Jelena Kostjutschenko hat in der eigenen Mutter eine Vertreterin derer, die in der Ukraine Nazis am Werke sehen und die Besetzung der Krim für legitim halten, da dieses schöne Fleckchen Erde doch immer zur Sowjetunion gehört habe. Das letzte Kapitel beschreibt die Zeit des Kriegsbeginns in der Ukraine, als J. K. für ihre Zeitung dort war. Russland ist nicht Moskau in seiner Pracht, die Gleichsetzung, betont sie, sei eine falsche Sicht. Einen Zusammenhang zwischen dem Titel und der Beschreibung von Russland herzustellen, fällt beim Lesen schwer.
Barbara Schürmann-Preußler
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Land, das ich liebe
Jelena Kostjutschenko ; aus dem Russischen von Maria Rajer
Penguin Verlag (2023)
411 Seiten
fest geb.