All das Blaue vom Himmel
Die Diagnose von früher Alzheimer-Demenz ist niederschmetternd für Émile. Die Ärzte geben dem knapp Dreißigjährigen noch maximal zwei Jahre zu leben und bieten ihm die Teilnahme an einer klinischen Studie an, jedoch ohne Chance auf eine Heilung.
Émile weigert sich, als Versuchskaninchen zu enden und erfüllt sich seinen letzten Wunsch: einen Roadtrip durch Frankreich, um irgendwo friedlich in der Natur zu sterben, ohne seine Familie. Auf dieser Reise begleitet ihn Joanne, eine junge Frau, die auf seine Anzeige mit der Suche nach Reisebegleitung geantwortet hat. Auch sie versucht nach dem Tod ihres dreijährigen Sohnes, dem Ehedrama und ihrer Depression zu entfliehen. Auf ihrer Reise durch die Pyrenäen und einiger Fischerdörfer am Mittelmeer gewinnen sie viele neue Freunde und lernen, das Leben neu zu genießen. Bis Émile, schneller als erwartet, von seiner Krankheit eingeholt wird. Sein Körper und sein Gedächtnis lassen ihn schon nach wenigen Monaten im Stich. Joanne pflegt ihn aufopferungsvoll bis zum Ende. – Dieser wundervolle Roman nimmt einen von der ersten Seite an gefangen; obwohl das Thema und das Ende bedrückend sind, kann man ihn nicht aus der Hand legen. Sprachlich sehr gewandt und in wunderschönen Bildern erzählt die Autorin Émiles und Joannes Geschichte. Ein herzerwärmender Roman über das Leben, die Liebe, die Freundschaft und einen würdevollen Abschied.
Stefanie Simon
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
All das Blaue vom Himmel
Mélissa da Costa ; aus dem Französischen von Susanne Van Volxem
Penguin Verlag (2025)
747 Seiten
fest geb.