Kaskaden
Ein furioser, ehrlicher, authentischer Debütroman der jungen Autorin, die in Hamburg lebt. Sie erzählt vor allem Jojos Geschichte: Aufgewachsen in einer "grauen Vorstadt", immer mit Geldsorgen behaftet, studiert sie Molekularbiologie. Das kommt ihrem
extremen Kontrollzwang und ihrer panischen Angst vor Bakterien entgegen – hier ist alles klar gegliedert und planbar. Sie hat fürchterliche Angst, dass jemand herausfindet, aus welchen Verhältnissen sie kommt, und leidet unter ständigem Kopfkino, was alles passieren könnte, wenn … Deshalb bringt sie ein Lebenszeichen ihrer früheren besten Freundin, von der sie sich verraten fühlt, völlig aus dem Gleichgewicht. Mit Jakob, dem Tutor des Seminars, findet sie zunächst ein – wenn auch instabiles– Gleichgewicht. Auch ihre WG-Partnerin Melle trägt viel dazu bei, dass sie irgendwie durchkommt. All das erzählt die Autorin im ersten Teil, der mit "Apoptose" (kontrolliert gesteuerter Zelltod) überschrieben ist. Der zweite Teil "Metamorphose" (Umgestaltung, Veränderung) beschreibt nach dem Furioso des ersten, wie Jojo, intensiv unterstützt vor allem von Melle, endlich bei sich selbst ankommt, indem sie Geschehenes ausspricht und akzeptiert. – Der Roman zieht die Leser:innen wie ein Sog in das Geschehen. Die lässige, generationentypische klare Sprache wird vielleicht den ein oder die andere stolpern lassen, ist aber Teil dieser sagenhaft überzeugenden Geschichte. Der absolut treffend gewählte Titel "Kaskaden" beschreibt das Tempo und die Intensität des Geschehens genau. – Sehr zu empfehlen!
Susanne Körber
rezensiert für den Borromäusverein.
Kaskaden
Louise K. Böhm
Penguin Verlag (2026)
287 Seiten
fest geb.