Bleib immer ein Mensch
Aus Gesprächen mit Heinz Drossel selbst, mit Familienmitgliedern und Bekannten, aus Akten und Archiven formte die Spiegel-Redakteurin Katharina Stegelmann ein überzeugendes Bild dieses "stillen Helden", der als Wehrmachtsoffizier seinem Gewissen
folgte und mutig Zivilcourage zeigte. Er war sich bewusst, dass ihn diese Haltung sehr gefährdete, doch seine durch die Eltern geprägte zutiefst christliche Überzeugung ließ ihn nicht anders handeln, sie war ihm Antrieb und Richtschnur. Fesselnd und eindringlich schildert die Autorin den durch die Machtübernahme der Nazis beeinflussten familiären, beruflichen und gesellschaftlichen Hintergrund, die für Drossel selbstverständliche Hilfe für bzw. Rettung von Juden und sowjetischen Kriegsgefangenen - darunter seine spätere Frau Marianne - und seinen verantwortungsvollen Einsatz als Offizier, der ihm in den letzten Kriegstagen das Todesurteil einbrachte, dem er aber durch Flucht entkommen konnte. Die Rückkehr zur Normalität verlief nicht komplikationslos - schwierig durch die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen in der Nachkriegszeit, erniedrigend und beschämend durch die Schlussstrichmentalität der Politik und Bevölkerung - und führte erst spät (1963) zu beruflicher und gesellschaftlicher Anerkennung, die im Jahr 2000 durch die Auszeichnung "Gerechter unter den Völkern" in Yad Vashem (Israel) gekrönt wurde. - Ein ehrliches Buch, das jeder lesen sollte!
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bleib immer ein Mensch
Katharina Stegelmann
Aufbau (2013)
256 S. : Ill.
fest geb.