So knallvergnügt
Das Glück ist ein wählerischer Gast in der Lyrik, seine Gunst ist nicht erzwingbar. Das wusste schon Heine. Doch gerade die unglücklichsten Dichter haben oft die schönsten Glücksgedichte geschrieben. Der Berliner Germanist Jürgen Engler hat ihrer
hundert in einer schmucken Anthologie versammelt. Sie bietet einen kundigen Querschnitt durch ein drei Jahrhunderte langes, in den Fragen erstaunlich konstantes Nachdenken darüber, inwiefern sich Glück haben (epikureisches Wohlleben) und glücklich sein (stoische Lebensbalance) unterscheiden, ob wir das Glück verdienen, was kurzes und kleines, falsches und entsagendes Glück bedeuten und warum das Glück so oft eine Frau ist. Wir hören vom Glück beim Fliegen (Hesse) und beim Radeln (Dehmel), vom Glück des ältesten Menschen der Welt (Endler) und vom "grundlosen Vergnügen am Leben" (Kaléko). Die Glücksphilosophie dieser Gedichtsammlung lässt sich vielleicht am besten mit Gellerts altem Ratschlag erfassen, "Im Unglück gern ans Glück, im Glück ans Unglück zu denken". - Allen Beständen sehr empfohlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
So knallvergnügt
hrsg. von Jürgen Engler
Aufbau (2011)
182 S.
fest geb.