Die Ruhelosen
Anfang 2012 ist Samira Europa Senigaglia in Zürich geboren. Die Tochter einer Frau kurdisch-türkischer Abstammung stammt väterlicherseits aus einer Familie mit italienischen und ungarisch-slowakischen Wurzeln. Über acht Generationen verfolgt die
Autorin deren Schicksal, beginnend mit der Heirat eines jüdischen Friseurs mit einer Grafentochter. Die Senigaglias selbst stammen von handfesten Drahtziehern aus Bergamo ab. Friseure und Perückenmacher, Musiker und Händler, Handwerker und Ladenbesitzer gehören zu den Vorfahren; Journalisten und Akademiker in den jüngsten Zweigen. Und ein, zwei (Ur-)Schweizer. Der Zeitbogen beginnt vor der Mitte des 19. Jh.; die großen politischen Erschütterungen sind in den Familiengeschichten allenfalls am Rande erwähnt; nur die Grenzöffnung 1989 in Ungarn hat ein eigenes Kapitel. Dennoch sind in den vielen Episoden die Zeitumstände klar zu erkennen. Von wegen, die Schweizer leben schon immer in der Schweiz... - Das Buch baut sich gewissermaßen chronologisch auf, springt dabei, vor allem in den frühen Bereichen, weit zwischen Menschen umher, die keinerlei Verbindung haben. Die vielen Namen und Handlungsorte verwirren leicht, bis die ersten Verbindungen auftauchen und sich die Darstellung auf einen sich nähernden Personenkreis beschränkt. Sehr hilfreich sind die auf der Innenseite des Schutzumschlags abgedruckten Stammbäume. Trotz der Anfangsschwierigkeiten: breit zu empfehlen!
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Ruhelosen
Michèle Minelli
Aufbau (2012)
752 S. : Kt.
fest geb.