Ambra

Kinga Mischa wächst in einer niedersächsischen Kleinstadt bei ihrem Vater Emmerich auf. Als dieser stirbt, vererbt er seiner ahnungslosen Tochter eine Wohnung in Polen und einen Bernsteinanhänger, in dem eine Spinne gefangen ist. Sie wusste bislang Ambra nicht, dass ihre Wurzeln polnisch sind und dass ihre Familie durch den Zweiten Weltkrieg auseinandergerissen wurde. So macht sie sich neugierig auf nach Danzig, die "große Stadt am Meer" und lernt die Familie Mysza kennen: Brunon, den herzkranken Cousin ihres Vaters, seine Frau Bronka, deren gemeinsamen Sohn Bartosz, der traumatisiert aus dem Irakkrieg zurückgekehrt ist, und dessen Freundin Renia Fiszer. Kinga stellt fest, dass sie, die Deutsche, nicht überschwänglich empfangen wird. Doch nach und nach gewöhnen sich alle aneinander und Kinga lernt ihre Familiengeschichte kennen und mit ihr die schicksalhafte Geschichte Danzigs und seiner Menschen. Ein Jahr lang wohnt sie schon dort, entdeckt die entlegensten Winkel, lernt geheimnisvolle Dinge und skurrile Menschen kennen, als eines Tages Bartosz und Renia spurlos verschwinden. Bronka glaubt, dass nur Kinga die Ursache sein kann, denn diese verfügt durch den Bernsteinanhänger über eine unheimliche seherische Gabe. - In Sabrina Janeschs Roman leisten drei Erzähler intensive Erinnerungsarbeit: zunächst Kinga, die ihre Erlebnisse aufschreibt, dann der Stadtschreiber Tilmann Kröger, der die Geschichte Danzigs genau studiert hat und Kingas Geschichte seine eigene Version gegenüberstellt sowie schließlich die im Bernstein gefangene Spinne, die die Fäden der deutsch-polnischen Familiengeschichte der Myszas/Mischas entwirrt. Sämtliche Erinnerungen bilden ein Denkmal, dass die Autorin der Stadt Danzig und seiner wechselvollen Geschichte setzt. Sehr zu empfehlen.

Birgit Fromme

Birgit Fromme

rezensiert für den Borromäusverein.

Ambra

Ambra

Sabrina Janesch
Aufbau (2012)

396 S.
fest geb.

MedienNr.: 572286
ISBN 978-3-351-03500-6
9783351035006
ca. 22,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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