Der Regen in deinem Zimmer
Alessandra ist 17, als ihre Mutter ihrem schweren Krebsleiden erliegt. Ihre Großmutter, bisher die Dritte in der weiblichen Lebensgemeinschaft, verharrt in stiller Trauer und ist der Abiturientin keine große Hilfe. So muss das Mädchen weitestgehend
allein mit dem Verlust klarkommen und entwickelt eine eigene Strategie gegen den fast unerträglichen Schmerz. Sie kapselt sich von der Klassengemeinschaft ab und setzt sich in die hinterste Bank zu Giovanni, dem Außenseiter, den alle nur Zero nennen. Ganz allmählich entwickelt sich zwischen dem schweigsamen, vom Leben bereits arg gebeutelten jungen Mann und der zutiefst einsamen Alessandra eine zarte Liebe, die allerdings immer wieder Tiefschläge erlebt durch die Unfähigkeit der beiden, sich dem anderen wirklich zu öffnen. Die Stunde der Wahrheit kommt, als die junge Frau Schreckliches erlebt. - Manchmal berührt ein Buch zutiefst, bringt eine Saite zum Klingen, lässt Zeit und Raum vergessen. Der italienischen Autorin gelingt dies mit ihrem ersten Roman auf Anhieb. Sie versteht es meisterhaft, ihrer Protagonistin Leben einzuhauchen, indem sie sie selber erzählen lässt. Hautnah erlebt der Leser die widersprüchlichen Gefühle der Trauernden, den Hunger nach Leben, den tiefen Schmerz, die Hoffnung auf Besserung oder die Trostlosigkeit der einsamen Tage. Dazwischen erzählt Alessandra immer wieder von ihrer Mutter, lässt Begebenheiten Revue passieren, erinnert sich der kleinen alltäglichen Dinge, die nun so fehlen, und findet dafür wunderbar ausdrucksstarke Worte, die lange nachklingen. Leider regen weder Cover noch der deutsche Titel dazu an, spontan nach diesem literarischen Juwel zu greifen, dennoch verdient es einen Platz in vielen Beständen. Auch für ältere Jugendliche wärmstens empfohlen! (Übers.: Verena von Koskull)
Beate Mainka
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Regen in deinem Zimmer
Paola Predicatori
Aufbau (2013)
238 S.
fest geb.