Die Reform des Salaì
Salaì ist Gehilfe und Adoptivsohn von Leonardo da Vinci. Ungebildet, bauernschlau, frech und gierig, versucht er sich rechtzeitig ein Erbteil von Leonardo zu sichern, als dessen Leben zu Ende geht. Doch der Meister führt ihn an der Nase herum und
so landet das für Salaì bestimmte Testament 1523 in einer Holzkiste, in der sich Leonardos Nachttopf befindet. Bevor Salaì davon erfährt, wird der Nachttopf verkauft und landet in Deutschland, genauer gesagt in Wittenberg bei Martin Luther. Unterstützt von seinem unehelichen Sohn reist Salaì dorthin und versucht, den Nachttopf bzw. dessen Verpackung zurückzubekommen und macht dabei die Bekanntschaft Luthers. Der Reformator erscheint dabei allerdings in ungünstigem, geradezu schrillen Licht. Das liegt zum einen daran, dass der Roman zu einem großen Teil als ein an den Papst gerichtetes Tagebuch geschrieben ist. Entsprechend abfällig äußert Salaì sich über Luther. Zum anderen sind Passagen aus einer wissenschaftlichen Abhandlung eines gewissen Professor Reiter aus dem 20. Jh. als Kommentar dazwischengeschaltet, der in Salaìs Beobachtungen Belege für seine These findet, dass Luther wahnsinnig war. - Der Roman ist absurd und witzig, er kratzt mit großem Vergnügen am "Heiligen" der Reformation. Salaì ist ein Schelm, ein Lümmel, ein ungehobelter, an den sekundären Geschlechtsmerkmalen von Frauen aufs höchste interessierter Mann - er denkt fortwährend nur an das Eine. Sprachlich ist Monaldi & Sorti und mehr noch ihrer Übersetzerin Annette Kopetzki ein Meisterstück gelungen, ahmen doch die Tagebuchpassagen die (fiktive) Sprache eines Mannes aus dem Volk im 16. Jh. nach, die wir nur in Ansätzen kennen. Allerdings kann einem Salaìs Gerede von "Möpsen" (=Brüsten), von "vögeln" und "wichsen" auch kräftig auf den Geist gehen. Wen das nicht stört, wird großes Vergnügen an diesem Roman finden.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Reform des Salaì
Rita Monaldi ; Francesco Sorti
Aufbau (2014)
414 S.
fest geb.