Der Brief des Zauberers
Küsnacht bei Zürich, 1936: Seit fast drei Jahren harrt Thomas Mann im Schweizer Exil aus, ohne, sehr zum Verdruss seiner Kinder Golo und Erika, eine klare Position gegen das Hitler-Regime bezogen zu haben. Nun hat er einen Brief verfasst, der in
der Neuen Zürcher Zeitung erscheinen und mit dem er sich Feinde unter den Hitlergetreuen machen wird. Soll er ihn zurückziehen? Wenn er veröffentlicht wird, bringt er die "Berliner Diebesbande", wie er sie nennt, gegen sich auf, verliert seine Heimat Deutschland endgültig und kann dort seine Werke nicht mehr veröffentlichen. Drei Tage lang, vom 31. Januar bis zum 2. Februar, ringt Thomas Mann um eine Entscheidung. Nach Gesprächen mit seiner Frau Katja, einsamen Spaziergängen mit dem Hund am Zürichsee und stundenlangen inneren Kämpfen fällt die Entscheidung für den Abdruck des Briefes. - In ihrem literarischen Debüt fühlt die Autorin sich gut in die möglichen Gedankengänge Thomas Manns und in sein Zögern und Zaudern ein. Es ist kein Buch ausschließlich für ausgewiesene Thomas-Mann-Kenner. Es zeichnet vielmehr das Leben eines eigenwilligen und sensiblen Menschen, der schließlich erkennt, dass die Heimat, die er kannte, zerstört wurde und dass die deutsche Sprache und Kultur sein Zuhause bleiben wird, ganz gleich, wo er sich befindet. Ein sehr feinsinniger, lesenswerter Roman.
Birgit Fromme
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Brief des Zauberers
Britta Böhler
Aufbau (2014)
219 S.
fest geb.