Lager
Theater im Lager: ein Häftling, eine Ärztin, arbeitet als Kostümeur und macht aus alten Lappen und einem Tischtuch ein Cul (ein Rockfutter), die Schauspielerin unterschätzt den Umfang, verheddert sich und fällt. Dieser Galgenhumor im Archipel
Gulag ist eine Seite der Autobiografie "Lager" von Angela Rohr, die bereits 1964 geschrieben wurde und nun posthum, mit einem erhellenden Nachwort der Herausgeberin Gesine Bey, erschienen ist. "Lager" ist ein Dokument des Überlebenswillens in einer grausamen Eiszeit, "taktlos" gegen das lange Verschweigen der russischen Lagererfahrungen gerichtet. - Spannung, die durch Teilnahme entsteht: das ist, Heinrich Böll zufolge, das Element, das dieses Buch zur Literatur macht. Die Leser müssen sich fragen, wie diese Frau, die 1898 in Mähren geboren wurde, in der Zürcher Dada-Szene verkehrte, 1925 nach Moskau ging und dort 1941 verhaftet und zu fünf Jahren Gulag verurteilt wurde, dieses Lager überlebt hat. Ein unerbittlicher Bericht über die Lagererfahrung einer Überlebenden, in dem trotz (oder vielleicht gerade wegen) des Schreckens auch Ironie und Selbstironie möglich sind. Allen Beständen empfohlen.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Lager
Angela Rohr
Aufbau (2015)
443 S. : Ill.
fest geb.