Stalingrad

Stalingrad war der militärische Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs, aber auch – so deutet es Theodor Plievier – eine moralische Umkehr. Beide Erkenntnisse und Entwicklungen zeigen sich in den Romanfiguren Oberst Vilshofen und dem Unteroffizier Stalingrad Gnotke. Es ist die reine „Hölle“: Viele Tote, kranke, hungrige Überlebende (zu Weihnachten wird mal ein Pferd geschlachtet, um wenigstens an diesem Tag die leeren Bäuche zu stopfen), Fleischfetzen und Därme oder halbierte Körper liegen herum – es gibt keine Hoffnung mehr! „In Frontbreite betrat der Tod die Stellungen.“ Gedanken an die Angehörigen in der Heimat belasten die Seelen. Briefe kommen nicht an. Bauern und Bauernsöhne werden eigentlich auf den Feldern gebraucht und sind stattdessen bei Stalingrad „für ein Nichts gefallen.“ 91.000 geraten in Gefangenschaft. – Theodor Plievier (1892-1955), der während der NS-Zeit im Exil an verschiedenen Orten in der Sowjetunion lebte, schuf aus Briefen, Tagebüchern und Gesprächen mit fürchterlichstem Inhalt noch während des Krieges ein zeitloses Dokument des Antimilitarismus. Dieser Roman gilt als der erste Bestseller im Nachkriegsdeutschland und war einer der ersten Romane, die im neu gegründeten Aufbau Verlag erschienen. Trotz des schweren, grauenhaften Inhalts lesenswert.

Berthold Schäffner

Berthold Schäffner

rezensiert für den Borromäusverein.

Stalingrad

Stalingrad

Theodor Plievier
aufbau (2025)

624 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 621830
ISBN 978-3-351-04252-3
9783351042523
ca. 30,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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