Die Geschichte eines schönen Mädchens
Ihr gesamtes Leben wusste Julia nicht, wer ihre Eltern sind, was mit ihnen geschah. Jetzt, erst nach dem Tod ihrer Ziehmutter Martha, hält sie einen erstaunlichen Brief in den Händen, der ihr alles erklärt: Sie war an einem regnerischen Abend zu
Martha gekommen, als ihre Eltern auf der Flucht aus einem menschenverachtenden Heim für Behinderte waren. Nur kurz hatten die leicht behinderte Lynnie und der taubstumme Homan bei Martha verweilen können, bis ihre Verfolger sie wieder aufgriffen, doch die Zeit reichte, um der alten Dame ihre kleine Tochter anzuvertrauen. Diese hatte sich fortan liebevoll um das Baby gekümmert. Sie zog um, versteckte sich mit der Kleinen bei ehemaligen Schülern und lernte plötzlich selbst das Leben durch die Augen des Mädchens völlig neu kennen. - Bewegend, aufwühlend und gefühlvoll beschreibt Rachel Simon die Lebenswege dreier Personen, die am Rande der Gesellschaft stehen, weil sie ausgegrenzt werden oder selbst keinen Zugang gefunden haben. Umso bewegender ist der Ausbruch, den die Protagonisten wagen. Sie alle sind liebevoll skizziert und gerade die über Jahrzehnte hinweg andauernde Liebe zwischen Homan und Lynnie rührt das Herz, ohne kitschig zu sein. Ein Buch, das Menschenverachtung und Gewalt gegenüber Menschen am Rande der Gesellschaft zeigt, und trotz allem stets einen Funken Hoffnung transportiert, der das Leben einer jeden Person verändern kann - kein leichtes, aber ein schönes Buch. (Übers.: Ursula Walther)
Sonja Schmid
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Geschichte eines schönen Mädchens
Rachel Simon
Rütten & Loening (2013)
415 S.
kt.
Auszeichnung: Roman des Monats