Mutterhirn
Eltern zu werden verändert alles, auch bestimmte Hirnareale, die vor allem für die Fürsorge, die Eltern Babys angedeihen lassen, verantwortlich sind. Chelsea Conaboy hat die wissenschaftliche Studienlage zum Prozess der Elternschaft erforscht; und
auch, wenn die Studienlage dünn ist, so belegt sie dennoch, dass sich das Gehirn während des Prozesses des Elternwerdens stark verändert hin zu einem fürsorgenden Gehirn. Es sei ein ähnlicher Prozess, wie er während der Pubertät stattfindet und der Gehirnareale massiv verändert. Zudem betrifft dieser Prozess nicht nur die leiblichen Eltern, sondern ebenfalls Menschen, die im Umfeld mit dem Kind zu tun haben, seien es Großeltern, Freunde, Adoptiveltern, schwule Eltern etc. Das Gehirn wird flexibler, formbarer und erfährt so eine tiefgreifende Veränderung. Das sei auch ein wichtiger Nebeneffekt der Fürsorgeentwicklung für ein Kind, sagt Conaboy, denn diese Fürsorge machen Menschen insgesamt verantwortungsvoller und sozialer in ihrem Denken und Tun. Conaboy hat ihre Studien sehr umfangreich, basierend auf vielen Ergebnissen der Gehirnforschung, in diesem Buch zusammengestellt, die sie umfangreich, durchsetzt mit vielen Fachausdrücken, schildert. Aber sie gibt auch Beispiele aus ihrem eigenen Prozess des Elternwerdens, was die oft anspruchsvollen Wissenschaftsergebnisse ein wenig auflockert. Insgesamt ist das Buch nicht ganz leicht zu lesen, zumal 462 Seiten einen stattlichen Umfang darstellen. Aber die Ergebnisse, die sie in diesem Buch veröffentlicht, sind dennoch beeindruckend, denn sie belegen, dass elterliche Fürsorge das Gehirn gravierend verändern hin zu mehr sozialer Kompetenz. Angesichts des doch erheblich wissenschaftlichen Inhalts ist das Buch wohl eher ein Angebot für ausgebaute Bestände. Dennoch gern empfohlen.
Annemarie Schreibert
rezensiert für den Borromäusverein.
Mutterhirn
Chelsea Conaboy ; aus dem Englischen von Sabine Reinhardus
HarperCollins (2023)
462 Seiten
fest geb.