Das Befinden auf dem Lande
Was heißt es für einen Großstädter, aufs Land zu ziehen und in der Provinz zu leben? Viele, so auch der umtriebige Autor Björn Vedder, oder andere „zivilisationsmüde Besserverdiener aus München“ verlassen die engen Raumverhältnisse und
die Hektik der Stadt und steigen aus, um ins vermeintliche Idyll der dörflichen Gemeinschaft zu fliehen. In diesem Buch ist es eine Ortschaft am Ammersee incl. großem Haus, Seenähe, selbst gepflanzten Erdbeeren usw. Vedder ist, wie er schreibt, der „aktuellen Landlust zum Opfer gefallen.“ Einiges konnte er sich zuvor nicht vorstellen, vor allem das feine System von Anerkennung oder auch, wie das traditionelle Familienbild noch vorherrschend ist. Oft ist er bei der Kinderbetreuung der einzige unter lauter Müttern. Einen breiten Raum nimmt auch die soziale Kontrolle ein (Müll sortieren! Am Sonntag bohren …). Einerseits kann man als Leser:in schmunzeln. Der Autor geht aber hart ins Gericht und spricht von „Idiotie des Landlebens“, von neuem Provinzialismus und von einem „dunklen Reich der autoritären Unterdrückung“ und der „als Moral getarnten Hetze“. So sieht es Vedder - aber man kann als Leser:in auch etwas drüberstehen, seinen Humor aktivieren und das Ganze lockerer angehen.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Das Befinden auf dem Lande
Björn Vedder
HarperCollins (2024)
156 Seiten
fest geb.