Die Vermesserin der Worte
Die junge Autorin Ida steckt in einer Schreibkrise. Seit vier Monaten vergehen die Tage trostlos in ihrer Einzimmerwohnung in einer Plattenbausiedlung. Freunde hat sie nicht und weil der Vater ihre Entscheidung, Schriftstellerin zu werden, missbilligt,
muss sie sich allein durchschlagen. Eine Stellenanzeige führt sie zu Ottilie und ihrem heruntergekommenen, verwunschenen Anwesen. Sie bringt alles auf Hochglanz, nur den Flügel, in dem Ottilie wohnt, darf sie nicht betreten. Dass die alte Dame eine Bücherliebhaberin ist, zeigt allein die große Bibliothek, die Ida ganz besonders bewundert. Bald bemerkt sie, dass Ottilie an Gedächtnislücken leidet, die sie verunsichern und oft garstig werden lassen. Ida kümmert sich mit großem Feingefühl um sie, liest aus ihr bekannten Romanen vor und wird von Ottilie in deren klaren Momenten bestärkt und ermutigt, das Schreiben wieder aufzunehmen. Verwunderlich ist nur, dass Ottilie keinen Besuch erhält. Ein Geheimnis aus der Vergangenheit scheint die Dorfbewohner abzuhalten, mit ihr in Kontakt zu treten. Wird es Ida gelingen, alte Fehden zu begradigen und ihre Schreibblockade zu überwinden? – Ein zauberhafter Roman.
Gabriele Berberich
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Vermesserin der Worte
Katharina Seck
HarperCollins (2024)
253 Seiten
fest geb.