Medea
Die englische Autorin hat ein Faible für griechische Literatur und legt den Fokus in ihren Romanen auf starke weibliche Personen. In ihrem Debüt blättert sie die Jugendjahre aus der Perspektive der Medea am Hof ihres Vaters Aietes in Kolchis auf.
Aufgrund ihrer magischen Fähigkeiten im Verbund mit der mächtigen Göttin Hekate wird sie von ihrer Familie gedemütigt, misshandelt, verachtet und als Waffe missbraucht. Nur ihre Tante Circe steht ihr bei und von ihr erlernt sie die Zauberei, bis diese verbannt wird. Um den Palast ihres Vaters verlassen zu können, schließt sie einen Pakt mit dem Helden Jason über ihr Entkommen und um das begehrte goldene Vlies. In Jason findet sie einen rettenden Ehemann, mit dem sie zwei Söhne hat. Gemeinsam meistern sie viele Widerstände, doch ihr Ruf als Hexe, das Misstrauen der Stadtgesellschaft, ihre grausamen Taten aus der Vergangenheit, der Verrat an ihrer Familie und ihre Wunden aus der Kindheit quälen sie und ihren Ehemann und führen schließlich zur bekannten Tragödie, als Jason seine Familie verlässt, um die junge Königstochter Glauke zu heiraten. Da greift Medea zur dunklen Magie. Was bleibt sind Gewalt, Hass, Tod und Zerstörung. – In Anlehnung an Christa Wolfs Roman „Medea“ liegt der Schwerpunkt der Annäherung und Interpretation einer der bekanntesten Frauenfiguren der Weltliteratur auf der strukturellen patriarchalischen Gewalt, der Medea als Kind und junge Frau ausgeliefert war. Medea als starke Zauberin, missverstanden und ungeliebt, damit kommt ihre dunkle Seite zum Tragen. Für eine Leserschaft mit Interesse an griechischer Mythologie eine lohnenswerte feministische Neuinterpretation. Für alle Büchereien gut einstellbar.
Karin Steinfeld-Bartelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Medea
Rosie Hewlett ; aus dem Englischen von Simone Jakob
HarperCollins (2025)
494 Seiten
fest geb.