Verbaut die Kirche ihre Zukunft?
Das Anliegen des Autors, eines katholischen Laien, der seine Kirche liebt und schon deswegen keineswegs zimperlich mit ihr umgeht, wird mit diesem Buch nachvollziehbar: In einem fiktiven Dialog zwischen "Hans", dem Alltagsmenschen, der die Kirche um
ihrer Glaubwürdigkeit willen reformieren möchte und "Johannes", dessen Gegenspieler, der immer noch das Gute im Schlechten zu sehen weiß, breitet der Autor viele Fragen vor den Lesern aus, die der katholischen Kirche aktuell gestellt werden können. Dabei stehen im Zentrum seiner Überlegungen Probleme der Glaubwürdigkeit, der Ehrlichkeit, Positionen der Sexualmoral, bioethische Fragen und Fragen, die die Zukunftsfähigkeit der Kirche betreffen. Der Autor, der sich ehrenamtlich in der Kirche engagiert und beruflich in der Arzneimittelforschung sehr erfolgreich ist, bezeichnet sich selber als Querdenker. Inhaltlich holt er sehr weit aus und scheut auch nicht vor philosophischen und theologischen Erklärungsversuchen zurück. Seine zum Teil berechtigte Kritik käme besser auf den Punkt, wenn er sich auf wenige, naheliegende Fragestellungen beschränkt hätte, die er aus eigener Anschauung beurteilen kann. Stattdessen entwickelt er längere Exkurse über Fragen z.B. der Wahrheit, der Unfehlbarkeit und des Opferverständnisses. Diese Ausführungen eines Nicht-Theologen, die eher an der Oberfläche bleiben müssen, wären verzichtbar und verstellen eher den Blick auf die eigentlichen Fragen nach der Glaubwürdigkeit der Kirche und nach der Motivation, ihr trotz berechtigter Kritik treu zu bleiben. Die hier angewandte Methode, jedes Problem aus zwei gegensätzlichen Blickwinkeln zu betrachten und zu bewerten, dient zwar dem Verständnis der Sache, wirkt aber über 339 Seiten schließlich monoton und aufgesetzt. Aus den oben genannten Gründen ist das Buch für die breite Rezeption in Büchereien eher ungeeignet.
Lioba Speer
rezensiert für den Borromäusverein.
Verbaut die Kirche ihre Zukunft?
Hans-Harald Sedlacek
Evang. Verl.-Anst. (2012)
362 S.
fest geb.