»Es ist vollbracht!« Oder doch nicht?

Martin Thoms geht in diesem kompakten Werk der Streitfrage nach: (vereinfacht) Gibt es eine "Hölle" für uns aufgeklärte Christen? Oder können wir unserem Gott glauben als "All-Versöhner"? Dieser existentiellen Frage geht er gründlich nach, in »Es ist vollbracht!« Oder doch nicht? einer echten Streitschrift, streng logisch und systematisch gegliedert, fast nach den Mustern alter scholastischer Lehrwerke. Der Autor überzeugt nicht nur durch Sachkenntnis auf allen Gebieten der Theologie und Kirchengeschichte, sondern will auch ein Umdenken bewirken, wie wir die letzten Wahrheiten (eschata) neu sehen sollen im Lichte der Botschaft Jesu. Dies vollzieht sich auch sprachlich auf höchstem Niveau – das drei prominente Vorworte bezeugen; ein hohes Lob spricht vor allem Prof. Moltmann aus. Stilistisch zeichnet sich diese komplexe Apologie aus durch eine sehr fachspezifische und schlussendlich wieder persönliche Diktion! Was natürlich stutzig macht, sind die ((Unter-)Titel, welche die hohen Ansprüche herunterbrechen. Das mag auf den Leser leicht irritierend oder sogar demotivierend wirken. Es geht um (bloße) "Versuche" – um eine "Entgegnung von Einwänden", um eine "Fantasie" (statt einer endzeitlichen Hypothese?) – unter dem mehrdeutigen Schlüsselbegriff der "Allversöhnung". Gott will sich eindeutig und radikal mit uns versöhnen, desgleichen wir Menschen untereinander, beides vollzieht sich all-umfassend – in der letzten Versöhnung mit "dem All". Dies begründet in einem schlüssigen Beweisgang seine Hauptthese: Die Lehre von Verdammnis und ewiger Strafe ist weder biblisch zu halten, noch entspricht sie dem kosmischen, eschato-logischen Verständnis der Botschaft von der unendlichen Liebe, aus der Jesus gelebt hat, und wir als "Synchronisierte und Synchronisierende" in Seinem Namen. "Lasst uns die Hölle enthöllen!" Deutlich zielt die argumentative Stoßrichtung des Theologen auf die angeblich "bibeltreuen" Überzeugungen. Paradigmatisch steht die plumpe Frage, ob Adolf Hitler nun im oder bestimmt nicht im Himmel sei, oder das Jona-Ninive-Narrativ für die Absolutheit einer alles durchdringenden Versöhnung "wie auf Erden- so im Himmel". Auch löst sich die Themafrage der Zweifler (Überschrift!) von selbst, wie zu erwarten (S. 240). Prof. Thoms betont, dass es keine objektive Bibelauslegung geben kann, da jeder stets durch seine "Brille" blickt; so könnte man vorsichtig fragen, ob bei dem radikalen Umpolen nicht ein Wunschdenken mitschwingt; unsere Welt steht immer auch unter dem Menetekel von Gut und Böse, von Gottesnähe und -ferne, einem ungeheuren, end-gültigen Schicksal, das keiner ganz verstehen kann. Als Gegenpol zu der streng rationalistischen Argumentation bekennt der Autor, dass der Auslöser zu diesem Werk ein ekstatisches Gebetserlebnis war – und er widmet zärtlich-emotional seinen Dank "der (universalen) Liebe", ganz besonders aber der Liebe seiner Frau.

Harald Grimm

Harald Grimm

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

»Es ist vollbracht!« Oder doch nicht?

»Es ist vollbracht!« Oder doch nicht?

Martin Thoms
Evangelische Verlagsanstalt (2025)

251 Seiten
kt.

MedienNr.: 754856
ISBN 978-3-374-07869-1
9783374078691
ca. 35,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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