Hundert Jahre ungeküsst
Das Märchen von Dornröschen, die in einen 100-jährigen Schlaf fällt, kennt jeder. Die Autorin verlegt es nach Hamburg in die Gegenwart. Aus Dornröschen wird Rosalie Dorn, die ihre Ausbildung zur Hotelkauffrau im Schlosshotel beginnt. Dort absolviert
der gutaussehende Sohn der Besitzer gerade ein Praktikum - René Prinz. Die Liebe blüht, aber Rosalies Eltern schauen ängstlich dem 17. Geburtstag ihrer Tochter entgegen, denn eine Ex-Freundin der Mutter hat für diesen Tag Unheil angekündigt. Die Geschichte verläuft parallel zur Märchenvorlage, mit der einen Ausnahme, dass es gleich zwei Märchenprinzen gibt: René trauert zeitlebens seiner Rosalie nach, die an ihrem 17. Geburtstag nach einem Hotelbrand spurlos verschwand. Seinem Enkel bleibt es überlassen, in der ausgebrannten Ruine ein schönes, schlafendes Mädchen zu finden. - Die Idee ist pfiffig, aber das fehlende Happyend wird die Leserinnen verstören. Außerdem hätte man sich etwas mehr dichterische Freiheit bei der Umsetzung gewünscht. Denn die Märchenvorlage passt so gar nicht zum Jugendslang und der "stylischen" Umgebung von Rosalie und René. Wer sich daran nicht stört, kann sich an einer kuscheligen Schmonzette erfreuen.
Birgitta Negel-Täuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Hundert Jahre ungeküsst
Gabriella Engelmann
Arena (2011)
274 S.
kt.