Der letzte Code
Studienabbrecher Tamas hat ein Computerspiel entwickelt. Als er sein Spiel der Netzgemeinde vorstellen will, kommen nur negative Rückmeldungen. Frustriert lässt er sich selbst auf das Spielangebot einer gewissen "Pandora" ein, und sein Avatar landet
in einem Flusstal der Schwäbischen Alb vor 60.000 Jahren. Dort beobachtet er eine Horde Neandertaler und belauscht eine Kinderhüterin beim Singen eines Schlafliedes. Fasziniert von der jungen Frau, wagt er, sie nach dem Namen zu fragen. Die Männer der Horde jagen Mammuts. Als es brenzlig wird und Tamas von einem Bullen angegriffen wird, schafft er es gerade rechtzeitig zurück in die Kellerwohnung seiner realen Welt. "Pandora" erklärt ihm, das Spiel habe mehrere Levels und er könne sich jederzeit wieder aus der virtuellen Welt zurückziehen. Er steigt also wieder, schon, um die geheimnisvolle Frau wiederzusehen, die offenbar auch nicht ganz in die Steinzeit gepasst hatte. Und so gerät er zuerst in die Savanne vor einer Million Jahre, um danach alle wichtigen Stationen der Kulturgeschichte der Menschheit punktuell zu streifen.- Das Ganze ist ein rasanter Parforceritt, mühsam zusammengehalten durch eine blasse Love Story. Wie in Brechts Epischem Theater wird man dauernd durch eingeschobene Erklärungen im Lexikonstil aus einer Illusion herausgerissen. - Gerd Schneider hat mit seinem prämierten Band "Von einem der auszog die Welt zu verstehen" einen Querschnitt durch die Naturwissenschaften geschrieben. Hier liegt nun sein Pendant zur Kulturgeschichte vor, als Roman leider enttäuschend, als Sachbuch auch kaum gehaltvoller als ein Was-ist-was-Band.- Und dann fallen nach der Erstlektüre bereits die ersten Seiten aus! - Für Büchereien eher nicht geeignet.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Der letzte Code
Gerd Schneider
Arena (2013)
318 S. : Ill., graph. Darst.
kt.