Rabentöchter
Bereits im ersten der 15 Kapitel, das den aufsehenerregenden Titel "Mutter, ich trage Dich wie eine Wunde auf meiner Stirn" hat, setzt sich die berühmte Autorin mit ihrer Beziehung zur Mutter auseinander, indem sie vom Leben und Sterben ihrer Mutter
schreibt. Damit wird die Hilfe suchende Leserin unmittelbar in ein Thema eingeführt, dem kaum eine Frau entkommt: der Mutter-Tochter-Beziehung. Julia Onken (*1942), selbst Mutter von Töchtern, berichtet, wie sie die Auswirkungen althergebrachter typisch weiblicher Rollenmuster an sich selbst erlebte und welche Mühe es sie kostete, sich und ihre Kinder weitgehend davon zu befreien. Aus diesen privaten Erfahrungen, gepaart mit denen aus unzähligen Biografien von Frauen, entwickelt die Autorin Psychogramme von Mutter-Tochter-Beziehungen, die Leserinnen anleiten, sich selbst über diese Beziehung klarer zu werden. Das wäre ein wertvoller Beitrag, die seit Generationen tradierten weiblichen Rollenmuster zu durchbrechen und ein neues Verständnis, eine bislang vermisste Offenheit zwischen Frauen im Allgemeinen und Müttern und Töchtern im Speziellen, zu schaffen. Ein wichtiges Büchlein, das zum (Um-)Denken anregt und Frauen in einer schwierigen Beziehung Mut macht.
Martina Mattes
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Rabentöchter
Julia Onken
Beck (2011)
Beck'sche Reihe ; 1970
179 S. : graph. Darst.
kt.