Das Reich der Azteken
B. Riese, ausgewiesener Kenner der Geschichte und Kultur Mexikos, eröffnet einen neuen Blick auf das Reich der Azteken, indem er nicht auf europäische Berichte über die Eroberung Mittelamerikas durch die Spanier zurückgreift, sondern vornehmlich
aztekische Quellen (Kunstwerke, Bilderhandschriften) verwendet. Daraus ergibt sich eine differenzierte Sicht, die den Leser zu einer klischeefreien Auseinandersetzung mit dieser Hochkultur ermuntert. Detailliert und sorgfältig, verständlich und packend schildert der Autor die Entwicklung dieses Reiches vom Aufbruch von der Insel Aztlan (1064) über die Wanderung nach Zentralmexiko, die Sesshaftwerdung in Tenochtitlan (heute Mexiko-Stadt), die Konsolidierung der Herrschaft (1440-1502) bis zur Eroberung durch die Spanier (Hernán Cortés 1521). Zudem vermittelt Riese interessante Einblicke u.a. in den Alltag des Adels und der einfachen Leute, in die Versorgung der Bevölkerung, in Hygiene und Heilkunde, aber auch in schockierende Gepflogenheiten wie Menschenopfer und Kannibalismus. Eine informative Einführung in Sprache, Zeitrechnung und Vorstellungswelt der Azteken sowie eine Zeittafel runden das - für geschichtlich Interessierte - sehr empfehlenswerte Buch ab.
Inge Hagen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Reich der Azteken
Berthold Riese
Beck (2011)
431 S. : zahlr. Ill. (überw. farb.), graph. Darst., Kt.
fest geb.