Gutes Geld
Der Erzähler Ernst Augustin wird gerühmt für seine "bodenlosen Scherze" und seine Lust am milieugenauen Fabulieren. Zugleich sind seine Geschichten aus dem Leben gegriffen. So auch "Gutes Geld". Der Klappentext des Romans verrät, dass der Autor,
von Beruf Psychiater, einmal einen vierundachtzigjährigen Geldfälscher zu begutachten hatte, der aus dem Falschdruck kleiner Geldscheine eine Kunst machte und erst erwischt wurde, als er sich mit einer Überproduktion von hochzahligen "Falsifikaten" verhob. Augustins Roman kleidet diese Geschichte in eine burleske Tragikomödie, und man muss sagen: Dieses Gewand steht ihr gut. Denn ihre Hauptfigur ist ein mittlerer Held, mit krimineller Energie zweifellos, aber auch einem Standesethos, das darin liegt, die falschen Zwanziger und Zehner nur Protzern, "Schwindlern, Heuchlern, Feiglingen" unterzujubeln. Erzählt wird das Ganze aus der Perspektive eines etwas tumben Neffen, eines Molkereilaboranten. Der kommt, nachdem ihn der Onkel in seine Betriebsgeheimnisse eingeweiht hat, nach dessen Tod in den zwielichtigen Genuss von dessen Erbe - und in den Besitz des mit fantastischen Farben verzierten Millionenerbes. Eine schräge Sicht auf einen mürrischen Geldfälscher, erzählt mit viel Sinn für grotesken Humor, eine empfehlenswerte Lektüre.
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Gutes Geld
Ernst Augustin
Beck (2013)
184 S.
fest geb.